Dr. Theresa Züger, Leiterin AI & Society Lab am HIIG

"KI stellt uns nicht nur vor technische Fragen, sondern auch vor gesellschaftliche."

#ki_berlin hat Theresa Züger, Leiterin des AI & Society Lab am Humboldt Institut für Internet und Gesellschaft (HIIG), zu einem Interview getroffen und über die ethischen Implikationen der Zukunftstechnologie gesprochen.

Frau Dr. Züger, seit Beginn dieses Jahres gibt es am Alexander von Humboldt Institut für Internet und Gesellschaft (HIIG) das AI & Society Lab unter ihrer Leitung. Woran genau arbeitet das Lab und was soll es erreichen?

Das AI & Society Lab versteht sich als Schnittstelle zwischen Wissenschaft, Wirtschaft, Politik und Zivilgesellschaft und arbeitet zu den gesellschaftlichen Fragen, vor die die zunehmende Verbreitung von KI unsere Gesellschaft stellt, beispielsweise: Welche Regulierungsansätze ermöglichen es in einer Infrastruktur, die zunehmend automatisiert ist, demokratische Rechte zu gewährleisten? Wie können KI-Anwendungen für Bürger*innen so verständlich und nachvollziehbar in Infrastrukturen integriert werden, dass automatisierte Entscheidungen im Zweifelsfall überprüfbar sind und angefochten werden können?

In verschiedenen gesellschaftlichen Gruppen wird derzeit sehr unterschiedlich über KI diskutiert. In der technischen Community geht es beispielsweise um ganz andere Fragen, als um jene, die die Zivilgesellschaft beschäftigen. Im AI & Society Lab entwickeln wir Formate, die zwischen diesen Perspektiven vermitteln. Wir wollen in unserer Forschung Antworten darauf finden, wie unsere Gesellschaft informiert und selbstbestimmt mit den Veränderungen durch KI umgehen kann.

Gibt es ein Forschungsthema, das im Lab einen besonderen Stellenwert hat?

Ein Thema, das uns gerade bewegt, ist die Frage, wie wir von einer abstrakten Debatte um sogenannte “ethische KI” zu der tatsächlichen Implementierung von gesellschaftlichen Werten in Infrastrukturen und Governanceprozesse kommen. Mich interessiert besonders, wie sich KI im Sinne des Gemeinwohls umsetzen lässt, was eine wesentlich konkrete und gesellschaftspolitischere Frage ist, als jene, wie das Individuum (wie KI-Entwickler*innen und ihre Institutionen) “ethische KI” designen sollte - wobei ich bezweifle, dass es einen Konsens darüber gibt, was das genau ist. KI wird für die Zukunft unserer Gesellschaft so wichtig, dass wir auch als Gesellschaft darüber mitentscheiden sollten, wie und für welche Anwendungen und Einsatzfelder KI zum Einsatz kommt.

Warum wurde das Lab gegründet und weshalb gerade in Berlin?

Derzeit entstehen in der Wissenschaft sehr viele Initiativen und Forschungszentren, die sich mit KI auseinandersetzen und das ist großartig. Was aber häufig fehlt, ist die interdisziplinäre Verbindung zu gesellschaftlichen und politischen Fragen. KI stellt uns jedoch nicht nur vor technische Fragen, sondern auch vor gesellschaftliche. Am HIIG ist es genau diese Verbindung, die uns interessiert und es war uns wichtig, diesen Fragen eine zentrale Anlaufstelle zu geben, da bislang die wissenschaftliche Auseinandersetzung mit gesellschaftlichen Fragen zu KI eher vereinzelt stattfindet und zum Teil von der Initiative von Einzelpersonen in der Forschungslandschaft abhängt. Berlin ist dafür der optimale Standort, da gerade die politischen Diskussionen um KI hier Resonanz finden und vorangetrieben werden. Das AI & Society Lab hat langfristig das Ziel, Vordenker für eine inklusive und nachhaltige KI-Strategie in Europa zu werden, die sich ausdrücklich den Menschenrechten und dem Gemeinwohl verpflichtet.

Was ist das Besondere am AI & Society Lab?

Das Besondere ist, dass wir den Lab-Gedanken sehr ernst nehmen. Forschung im Bereich KI muss sich nicht nur an neuen thematischen Fragen abarbeiten, sondern auch neue Wege des Wissenstransfers und des interdisziplinären Austauschs finden. Dazu braucht es Experimentiergeist und Kreativität, die wir im Lab zusammenbringen. Vor allem geht es uns auch darum, im Austausch mit Partner*innen aus Politik, Wirtschaft und Zivilgesellschaft besonders praxisnah und anwendungsorientiert zu forschen. Wir erleben es jetzt schon als große Bereicherung, in diesem Austausch die verschiedenen Perspektiven auf KI und unsere Gesellschaft zu reflektieren.

Welche Bedeutung hat das AI & Society Lab für die KI Szene in Berlin?

Das AI & Society Lab kann prinzipiell für jede Organisation, die in Berlin etwas mit KI zu tun hat ein Partner sein, sei es ein Start-Up, eine etablierte Stiftung, eine technische Forschungseinrichtung, ein Tech-Unternehmen oder eine zivilgesellschaftliche Organisation. Entscheidend ist, dass sich eine gemeinsame gesellschaftlich relevante Fragestellung findet, die für beide spannend ist. Ein besonderes Format für Forschungs-Kooperationen sind unsere sogenannten Pop-Up Labs, bei denen ein interdisziplinäres Forscherteam einen Partner vor Ort begleitet und im engen Austausch einer praxisnahen Forschungsfrage nachgeht. Darüber hinaus werden wir im Rahmen des Labs einige spannende Events organisieren, die teils öffentlich sind, sich aber auch teilweise gezielt an wichtige Stakeholder zum Thema KI in Berlin und dem politischen Umfeld richten.

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