Laptop auf braunem Holztisch

12 Juli 2022

fyrfeed möchte die Erstellung von Content mit Hilfe von KI vereinfachen.

Schlachtern und Fleischverpackern geht es an den Kragen. Sie haben das höchste Risiko, von Künstlicher Intelligenz oder Robotern um den Job gebracht zu werden. Das besagt eine kürzlich durchgeführte Studie von Forscher*innen an der École Polytechnique Fédérale im Schweizer Lausanne, die im Fachmagazin „Science Robotics“ publiziert wurde. Physiker*innen hingegen können sich auf dem Arbeitsmarkt in Sicherheit wiegen. Viel zu oft werden Künstliche Intelligenz und der Mensch als zwei Gegenspieler gesehen, schwarz und weiß. Und dann steht die Frage im Raum: Wo kann die KI den Menschen komplett überflüssig machen? Das geht aber oft nicht“, meint Dr. Thomas Lindemann, Autor und Experte für digitale Themen.Die KI kann vielleicht 60 Prozent, 70 Prozent dessen erreichen, was ein Mensch zu leisten imstande wäre. Sie kommt zwar unheimlich schnell zu diesem Ergebnis, aber besser wird’s nicht. Und das reicht eben nicht aus. Denn es geht ja nicht immer nur um Schnelligkeit, sondern vor allem das Endergebnis zählt.“ 
Wenn eine automatische Analyse bei der Krebsdiagnose in 80 Prozent der Fälle richtig liege, sei das dennoch kaum zufriedenstellend, hat der promovierte Verhaltenswissenschafter ein Beispiel parat. Da brauche es den Menschen, der einen anderen Blickwinkel einnehmen könne. „Mensch und Maschine arbeiten nicht gegeneinander, sondern miteinander. Genau das ist Human-in-the-Loop“, so Lindemann und fügt hinzu: „Ich glaube, dass Human-in-the-Loop die Zukunft der KI in ganz vielen Bereichen ist.“ Auf einen dieser Bereiche, nämlich die Erstellung von Blog- und Social Media-Posts im B2B-Bereich, hat sich Lindemann mit seinem Marketing-Tech-Startup fyrfeed spezialisiert.

„Problemfeld" Texten

„Text schreiben“ zählt laut Expert*innen zu den unbeliebtesten Arbeiten im Marketing. Zwei Stunden braucht ein Unternehmen durchschnittlich, um einen informativen Post für Social Media zu erstellen. Ein Blogpost dauert noch länger. Dr. Thomas Lindemann, der schon als 18-Jähriger nach dem Abitur sein erstes Unternehmen gegründet hat, kann das nachvollziehen: Einen Blogbeitrag, zum Beispiel, den schreibt man ja nicht einfach so. Es gibt eine ganze Menge an ‘Problemen’, die es zu lösen gilt: Wer schreibt den Beitrag? Worüber schreibe ich? Wo finde ich passende Quellen? Wie strukturiere ich den Beitrag? Wie formuliere ich treffend und spannend? Wie bügle ich Grammatikfehler aus? Wie erstelle ich ein passendes Bild? Wie finde ich einen knackigen Titel? Wie veröffentliche ich den Beitrag? Und wo?“, weiß er und „das ist nur die Oberfläche. Bei jeder Frage kann man natürlich tiefer gehen.“ Während manche dieser Bereiche wie die Grammatik von einer Maschine übernommen werden könne, gäbe es andere Aspekte, die der Mensch am besten könne: Beispielsweise dem Beitrag einen solchen Spin geben, dass sich der Lesende wirklich angesprochen fühlt. „Und bei manchen Themen müssen beide, Mensch und Maschine, wirklich zusammenarbeiten“, ist er überzeugt: „Zum Beispiel bei der Frage nach geeigneten Quellen. Da kann die KI eine Vorauswahl treffen, Recherchearbeit abnehmen, aber letztlich entscheiden, das muss der Mensch.“

Bei fyrfeed, das Lindemann Anfang 2020 gemeinsam mit den zwei Mitgründern Benjamin Zengler und Ehud Alexander Avner in Berlin ins Leben gerufen hat, passiert genau das. Blogposts oder Beiträge für Linkedin, XING, Facebook und Instagram werden von der eigens entwickelten Künstlichen Intelligenz erstellt, mit Suchbegriffen ergänzt und vorkuratiert. Der Kunde erhält über die fyrfeed-App Text, passende Emojis, Hashtags sowie ein Beitragsbild und muss die Inhalte dann nur auf die ausgewählten Plattformen stellen, direkt oder mit Unterstützung eines Social Media Tools. Damit soll für die Kund*innen der monatliche Zeitaufwand für die Erstellung von Content auf fünf Minuten sinken, und die Kosten seien um 80 Prozent günstiger als bei Agenturen. Wer jetzt an Fast-Food-Content denkt, der wird von Dr. Lindemann eines Besseren belehrt: Denn fyrfeed erstellt Premium-Content“, sagt der Autor mehrerer Fachbücher. „Die Tatsache, dass bei uns die KI den Erstellungsprozess verbessert, führt ja nicht zu weniger, sondern im Gegenteil zu mehr Qualität!

Echter Mehrwert statt Fast-Food-Content

Zwar hilft die Technik, Zeit zu sparen und den Content für den Kunden entsprechend günstig zu machen. Doch darum gehe es nicht ausschließlich. Vielmehr hat sich das auf 35 Köpfe angewachsene Team auf „Beiträge mit echtem Mehrwert verschrieben“, lehnt Lindemann ab, „billiges Werbe-Blabla, Selbstlob oder Hudelei“ zu produzieren. „Jeder Beitrag soll dem Leser ein ‘Hey, das hab’ ich noch nicht gewusst!’ entlocken können, zitiert der umtriebige Gründer und CEO die interne Richtlinie von fyrfeed. Um diese zu erfüllen, hat sich das Unternehmen früh auf B2B-Kommunikation spezialisiert. Informationen, Daten, Zahlen, Fakten, Wissen – „das ganze Unternehmen ist darauf ausgerichtet, genau diese Art von Beiträgen richtig gut hinzubekommen“, erklärt Lindemann und ist überzeugt, dass „die Qualität darunter leiden (würde), wenn das Unternehmen ständig hin- und herspringen müsste“ zwischen faktenorientierter B2B-Kommunikation und dem Infotainment, das B2C Content ausmacht. Zusätzlich zu dieser Spezialisierung sei jeder einzelne Beitrag individuell und auf die Bedürfnisse des Kunden sowie die Spezifika seiner Zielgruppe zugeschnitten. „Denn verschiedene Kunden haben ganz unterschiedlichen Vorstellungen davon, was für sie ein ‘qualitativ hochwertiger’ Beitrag ist“, weiß der Experte. „Übrigens ein weiterer Grund dafür, warum das Erstellen richtig guter Texte nur mit Human-in-the-Loop, und nicht ausschließlich mit KI geht. Fragen Sie mal eine KI, wann ein Beitrag eine hohe Qualität hat! Sie werden lachen, was da für ein Mist kommt.“

Genauso sinnlos sei es, die Qualität an der Anzahl der geklickten Likes oder Shares auszumachen. Die meisten Nutzer*innen von Social Media beispielsweise sind sogenannte Lurker. Das sind passive Mitleser*innen, die niemals mit einem Beitrag interagieren würden, egal wie gut oder schlecht sie ihn finden. Die machen – je nach Studie – 95 Prozent bis 99 Prozent aus“, weiß Lindemann, der auch bei Volkswagen und einer internationalen Digitalberatung in HongKong gearbeitet hat. Und selbst wenn ein lustiges Video viral gehe, das nichts mit der professionellen Arbeit des Veröffentlichers zu tun habe, sei das nur leere Reichweite. Gleichzeitig könne aber ein Abschluss zwischen zwei Unternehmen zustande kommen, weil die involvierten Personen aufgrund von Beiträgen auf LinkedIn Vertrauen aufbauen konnten – ohne jemals ein Like zu hinterlassen. „Bei uns entscheidet der Kunde, was gut ist“, so der Gründer. Entspricht der Beitrag nicht den Vorstellungen, hat er jederzeit die Möglichkeit, diesen an das Team von fyrfeed, das zu 100 Prozent remote aus aller Welt arbeitet, zurückgehen zu lassen. „Dann wird dieser überarbeitet, und zwar so lange, bis der Kunde vollständig zufrieden ist. Das kostet den Kunden keinen einzigen Cent extra“, betont Lindemann, „für mich ist das aber sehr wichtig: Dass Kunden das Gefühl haben, dass sie sich mit den Beiträgen, die sie bekommen, vollständig identifizieren können. Dieses Feedback der Kunden ist daher unser Gradmesser für Performance.Gleichzeitig sei die Rückmeldung auch eine der wichtigsten Datenquellen für die Weiterentwicklung des Produkts. Jede Woche spricht der Gründer deshalb mit Kunden, um herauszufinden, wie und warum der Service genutzt und welches Ziel damit verfolgt wird. Denn wenn uns ein Kunde verlässt, dann haben wir es offensichtlich nicht geschafft, seine Probleme zu lösen“, so Lindemann. „Also müssen wir verstehen, welche Probleme das genau sind.“

5- bis 6-stellige Umsätze pro Monat

Mangelnde Sichtbarkeit, fehlendes Vertrauen, zu geringe Verkaufsquoten – so lauten Probleme, die Kund*innen mit Hilfe von Social-Media-Beiträgen lösen möchten. Mehrere zehntausend Beiträge hat fyrfeed ausgewertet, um seine KI zu trainieren, für eben diese Herausforderungen den jeweils passenden Content, oder vielmehr dessen Muster und Strukturen zu erkennen. Da das Unternehmen seit dem „ersten Tag Umsätze erzielte, konnten wir das Angebot und das Produkt sehr schnell weiterentwickeln und sofort am Markt testen“, freut sich der leidenschaftliche Unternehmer. „Glauben Sie mir, das spart unheimlich viel Zeit. Denn die Realität ist eigentlich immer eine andere als das, was man sich im stillen Kämmerlein ausgedacht hat.“ Inzwischen hat das internationale Team das Produkt so weiterentwickelt, dass es einen „richtigen Nerv getroffen hat“. Die aktuellen Geschäftszahlen dürfe er leider nicht ausplaudern, doch es sei dem jungen Team gelungen, innerhalb von nur zwei Jahren 5- bis 6-stellige Umsätze pro Monat zu erzielen. Darauf ruhen sich Lindemann und Co. nicht aus: „Das Besondere am fyrfeed-System ist: Jeder einzelne Beitrag, den wir für unsere Kund*innen erstellen, kann zum Training der KI genutzt werden“, betont der CEO, „denn neben den Beiträgen selbst haben wir ja auch viele weitere nützliche Informationen über den Kunden, seine Branche, seine Zielgruppe und so weiter. Das allein ist ein unglaublicher Datenschatz, und er wird jeden Tag größer.

Zum weiteren Wachstum sollen zwei Millionen Euro beitragen, die das mehrfach ausgezeichnete Tech-Startup kürzlich im Rahmen einer Seed-Finanzierungsrunde erhalten hat. Die Finanzierungsrunde wurde vom VC Born2Grow angeführt und durch die IBB Ventures und primeCROWD aus Österreich unterstützt. Der größte Teil des Geldes fließt in die Weiterentwicklung der fyrfeed-Plattform, auf der alles zusammengeführt wird: Die Schreiber und Schreiberinnen, die nativ auf der Plattform die Beiträge erstellen. Die Künstliche Intelligenz, die auf verschiedenen Ebene mithilft. Das Management der Beiträge, inklusive ständiger Qualitätsprüfungsprozesse“, erklärt der ehemalige Werbeagentur-Chef, „und natürlich die Kund*innen, die über die fyrfeed-App ihre Beiträge erhalten, verwalten und publizieren.“ Zwar soll das frische Kapital die Automatisierung weiter verbessern, eines sei aber klar:Der Mensch ist immer mit dabei, und das wird und soll sich gar nicht ändern“, nimmt Lindemann die Angst, dass die KI künftig auch für die schreibende Zunft den Garaus bedeutet, „denn beide zusammen sind nun mal deutlich besser, als jeweils allein. Wir bringen da einfach das Beste aus beiden Welten zusammen.“

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