Fabian Westerheide, Asgard Capital Verwaltung GmbH © Kopf & Kragen

„Dies ist kein nationaler Wettbewerb, Berlin muss sich mit der Welt messen.“

Fabian Westerheide ist Geschäftsführer der Asgard Capital Verwaltung GmbH und investiert in Startups, die Künstliche Intelligenz (KI) nutzen. Zudem organisiert er die Fachkonferenz „Rise of AI“, bei der sich jedes Jahr Europas KI-Experten treffen, und ist Koordinator für Künstliche Intelligenz beim Bundesverband Deutscher Startups.

Herr Westerheide, durch Ihre Arbeit haben Sie einen exzellenten Einblick in den Markt. Was macht Ihrer Meinung nach die Stärke Berlins als KI-Standort aus?

Berlin zieht Talente aus der ganzen Welt an. Dies ist enorm wichtig, denn Firmen werden von Menschen gegründet, geführt und aufgebaut. In Berlin herrscht eine hohe Lebensqualität mit einer Mischung aus Arbeit, Kultur, Erholung und Vergnügen. 
Ansonsten hat Berlin nur im deutschen Markt einen Vorteil. Berlin hat mehr Gründer, mehr digitale Konzerne und mehr Investoren (mit Fokus auf Startups) als jede andere deutsche Stadt. 50 Prozent aller KI-Firmen sind in Berlin ansässig (siehe https://www.linkedin.com/pulse/german-artificial-intelligence-landscape-fabian-j-g-westerheide/ ).

Berlin gilt als Startup-Mekka und globales Innovationszentrum der Zukunft. Was unterscheidet Berlin von anderen Technologie-Standorten wie San Francisco, New York oder London?

Berlin ist international gesehen zwar Top 20, aber hat keine Spitzenposition (siehe https://asgard.vc/global-ai/). San Francisco, New York und London haben zwei wesentliche Vorteile. Erstens, das Ökosystem ist älter. Es gibt daher reifere Firmen, mehr Arbeit im Digitalsektor und auch mehr Erfahrungen. Gleichzeitig haben die genannten Städte mehr Kapital. Die Anzahl der Investoren sowie die Größe ihrer Fonds ist um einiges bedeutsamer als in Berlin. 
Für Berlin sprechen eher die noch günstigen Lebensunterhaltungskosten. Ebenso hat Berlin weiterhin den Charme, dass hier nicht das Business im Vordergrund steht, sondern das Leben der Menschen. 

Wie kamen Sie auf die Idee Ihre Firma Asgard zu gründen und welche Rolle spielte bzw. spielt Berlin in Ihren Plänen?

Vor einem Jahrzehnt fing ich an für den europäischen Company Builder “Team Europe“ zu arbeiten. Im Zuge dessen war ich bei der Gründung Berlins erster Venture-Capital-Firma „Point Nine Capital“ involviert. Seit meiner Kindheit habe ich eine Faszination für Science Fiction. Für mich war es logisch, dass ich meine beruflichen Erfahrungen (das Investieren in Technologiefirmen) mit meiner Leidenschaft (Künstliche Intelligenz) irgendwann kombiniere. Aus dieser Idee entstand dann 2014 Asgard.
Bevor ich nach Berlin kam, war ich eine Weile in Mexiko und den USA. Berlin hatte Ende der 2000er Jahre einen ungeheuren Reiz, weil diese Stadt anders als der Rest Deutschlands war. In Berlin konnte man sein, wer man möchte. Es gibt keine herrschende Oberschicht, die Stadt ist offen für Querdenker und Neueinsteiger. Mir war bewusst, dass Berlin das digitale Zentrum Europas wird. Zusätzlich ist das Leben in Berlin weiterhin günstiger, als in London oder Zürich. Man kann in Berlin einen hohen Lebensstandard führen, mit den gleichen kulturellen Möglichkeiten wie in anderen Metropolen. 

Des Weiteren ist Berlin überschaubar. Die Stadt ist international gesehen sehr klein, wenn man sie mit New York, London, Shanghai oder Hong Kong vergleicht. Berlin fühlt sich manchmal an wie ein internationales Dorf. Die Stadt hat einen Charakter und zieht daher auch ein bestimmtes Profil an Menschen an. 

Welches Potential für Berlin sehen Sie beim Thema Künstliche Intelligenz und wie schätzen Sie die deutsche Investitionsbereitschaft in Zukunftstechnologien generell ein?

Grundsätzlich haben wir in Deutschland eine geringe Investitionsbereitschaft in neue Technologien. Dies gilt für Regierungen genauso wie für Unternehmen. Die Investitionsquoten gehen seit Jahren zurück. Deutschland schafft es nicht mal den Status Quo zu halten, stattdessen fallen wir Schritt für Schritt zurück. Jeder der bereits in Singapur, Hong Kong oder Shanghai war, erkennt, wie Städte sein könnten, in der Moderne. 
Dazu kommt auch innerhalb der Bevölkerung eine gewisse Technologieabneigung. Man glaubt nicht mehr an eine bessere Zukunft. Deutschland fehlt eine Vision, wie Technologie den Menschen helfen kann, länger und glücklicher zu leben. 
Das Potential für Berlin ist da. Wir haben die Forschung (z. B. das DFKI und Fraunhofer), wir haben die Unternehmer, die Kapitalgeber und die Talente. Doch die ganze Stadt reagiert zu träge, in einer Zeit, in der das Tempo jeden Tag zunimmt. Wie gesagt, Berlin steht dabei besser da, als viele andere deutsche Städte. Doch dies ist kein nationaler Wettbewerb, sondern Berlin muss sich mit der Welt messen, um die besten Firmen, die erfolgreichsten Gründer und die finanzstärksten Kapitalgeber zu gewinnen.

Sie bringen jährlich mit Ihrer Fachkonferenz 'Rise of AI' führende KI-Forscher und Experten Europas für einen Austausch zusammen. Welche Herausforderungen und welche Chancen verbergen sich hinter der Künstlichen Intelligenz von morgen?

Künstliche Intelligenz ist die bedeutendste Technologie des 21. Jahrhunderts. Sie betrifft die Politik, Wirtschaft, Gesellschaft und unser individuelles Leben. Künstliche Intelligenzen gewinnen täglich an Wissen und Einfluss auf unsere Entscheidungen und das Wohlbefinden. Jede KI ist dabei das Ebenbild der Kultur der Entwickler. Die Daten, welche in die Systeme gespielt werden, prägen die Algorithmen. Eine Künstliche Intelligenz aus China wird sich anders verhalten, als eine Künstliche Intelligenz auf Deutschland. Wenn wir nicht aufpassen, leben wir in einer digitalen Welt, welche von KIs gesteuert wird, diese aber nicht mehr unserer Ethik und Moral folgen. Deswegen ist es so wichtig, dass wir eine heimische, starke KI-Industrie aufbauen.

Und welche Chancen oder Vorteile bringt die Künstliche Intelligenz?

Die Vorteile sind eindeutig. Künstliche Intelligenz hilft uns, gesünder zu leben und Krankheiten schneller zu heilen. Sie bringt uns sicherer und schneller zum Zielort. Sie nimmt uns Arbeit ab, unterstützt Prozesse und macht das Leben angenehmer. Doch gleichzeitig geben wir damit Kontrolle ab, was an sich kein Problem ist. Jedoch müssen wir uns die Frage stellen, wer am Ende noch Einfluss auf die Algorithmen hat. Solange die dominierenden KI-Firmen nicht in Europa sitzen, werden diese nie zu Gunsten unserer Bevölkerung entscheiden. 

KI ist eine der bedeutendsten Technologien unserer Zeit. Welche Empfehlung haben Sie für Menschen und Unternehmen, die sich mit der Entwicklung von Künstlicher Intelligenz beschäftigen wollen?

Keiner darf die Augen davor verschließen. Künstliche Intelligenz wird nicht verschwinden, sondern jeden Tag wichtiger werden. Wer sich nicht heute damit auseinandersetzt, wird morgen überrascht werden. Doch dann ist es zu spät.

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