Dr. Andreas Lemke vor hellem Hintergrund

10 September 2020

„Berlin ist mittlerweile ein Zentrum für die KI-Entwicklung in Europa geworden, das Experten aus der ganzen Welt anzieht.“

„Den Menschen unterstützten, nicht ersetzen“ ist ein häufig verwendeter Satz, wenn es um die verantwortungsbewusste Nutzung von Künstlicher Intelligenz geht. Diesem Credo folgt auch das junge Berliner Startup mediaire, welches sich mit seinen innovativen KI-Lösungen anschickt, nicht weniger als den Alltag von Radiologen zu revolutionieren: Das Team um Gründer Dr. Andreas Lemke und Dr. Jörg Döpfert, promovierte Physiker aus dem Bereich der Magnetresonanztomografie (MRT), geben Ärzten effiziente Bildanalyse-Tools an die Hand, um die Diagnose- und Behandlungsqualität für Radiologie-Patienten nachhaltig zu verbessern. Mit #ki_berlin hat Dr. Lemke über ihre Software mdbrain und ihre flexiblen Einsatzmöglichkeiten, Sicherheit von Patientendaten und Fördermöglichkeiten am Standort Berlin gesprochen.

Hallo Herr Dr. Lemke. Wie kam Ihnen die Idee mit mediaire?

Innerhalb meines ersten Start-Ups habe ich schon mit Radiologen zusammengearbeitet. Tatsächlich wurde die Idee dann von einem Kunden an mich herangetragen, der ein Lösung für seinen klinischen Alltag brauchte und mich fragte, ob ich so etwas entwickeln kann. Daraufhin habe ich einen Prototyp gebaut, der ihm so gefallen hat, dass er bereit war bei der Gründung von mediaire mit dabei zu sein.

Wie ist ihr Team aufgestellt und welche Expertisen bringt es mit?

Unser Team besteht mittlerweile aus 16 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern. Wovon mehr als die Hälfte in der Entwicklung tätig sind. Diese gliedern sich bei uns in Machine Learning, Front-End- und Backend-Software Bereich. Darüber hinaus haben wir ein starkes Sales Team, einen Finanzexperten, eine UX-Designerin und eine Qualitätsmanagerin, was besonders wichtig für die Zulassung als Medizinprodukt ist. Das besondere an unserem Team ist, dass sehr viele aus der universitären Forschung kommen und gleichzeitig auch schon viel praktische Erfahrung im professionellen Unternehmensumfeld gesammelt haben. Für so ein stark technologisches Produkt ist dies besonders wichtig

Wie funktioniert ihre Lösung mdbrain genau?

Unsere Software analysiert Gehirn MRT-Aufnahmen automatisch mithilfe von Künstlicher Intelligenz (sogenannten Deep-Learning Modellen) und stellt dem Radiologen diese aus dem Bild extrahierten Informationen in einem übersichtlichen Report zur Verfügung. Damit lassen sich nun die aufgenommenen Bilder wie ein Laborbericht interpretieren und der Radiologe kann so eine schnellere und bessere Diagnose erstellen. Beispielswiese vermisst die Software auf den Bildern automatisch bestimmte Hirnregionen und wenn diese Regionen ein kleineres Volumen haben als normal wird dies farblich dargestellt. Damit können dann unter anderem Alzheimer-Erkrankungen früher abgesichert werden.

Der Fokus liegt auf die Unterstützung bei der Früherkennung von Demenz und Multipler Sklerose. Wird man die Technologie auf andere Felder und Krankheitsbilder anpassen können?

Ja auf jeden Fall. Das prinzipielle Vorgehen ist dabei immer sehr ähnlich. Als nächste Anwendung planen wir derzeit unter anderem eine Ausweitung auf weitere neurologische Erkrankungen wie Gehirntumore. Aber auch außerhalb des Gehirns soll unsere Software den Radiologen unterstützen, wie z.B. bei der Vermessung der Wirbelsäule wo wir erste Ansätze unseren Kunden bereits demonstrieren konnten.

Momentan arbeiten Sie mit einer Reihe von Arztpraxen in ganz Deutschland zusammen, planen aber die Expansion in das europäische Ausland. Wo liegen Chancen und Risiken – vor allem in Bezug auf unterschiedlichste Krankenversicherungs- und Krankenhaussysteme?

Die größte Schwierigkeit sehen wir vor allem bei den Krankenversicherungs­systemen und dem dadurch sehr heterogenen Marktumfeld, welches auch sehr unterschiedliche Kundenanforderungen erzeugt. Die technische Integration in die radiologische Krankenhaus-IT ist zwischen den Ländern recht standardisiert, da wir vollkommen unabhängig von der genutzten Hardware unsere Lösung integrieren können.

Wir reden hier ja von der Verarbeitung von hochsensiblen medizinischen Patientendaten. Wie ist es um die Datensicherheit Ihrer Lösung bestellt?

Das ist eines unserer wichtigsten Verkaufsargumenten. Unsere Software wird lokal in das radiologische IT-System integriert und bedarf keinerlei Cloud-Upload. Dadurch ist der bestmögliche Datenschutz der Patientendaten gewährleistet.

Der Erfolg eines Projekts steht und fällt natürlich oftmals mit der Förderung. Wie hat das bei Ihnen geklappt?

Wir haben uns seit der Gründung konsequent mit der Finanzierung beschäftigt und hier war die Förderung Anfangs einer der wichtigsten Themen. So hat uns das Berliner ProFit-Programm der IBB sehr geholfen. Aber auch andere Förderungen wie das Coaching BONUS-Programm waren anfangs eine wichtige Unterstützung.

Wie sieht es bei der Innovationsfähigkeit des Berliner Ökosystems aus? Was hat den Ausschlag gegeben, Ihr Unternehmen hier zu gründen? 

Berlin ist mittlerweile ein Zentrum für die KI-Entwicklung in Europa geworden, das Experten aus der ganzen Welt anzieht. Die hohe Dichte an innovativen und erfolgreichen Start-Ups, die Nähe zu vielen Gesundheitseinrichtungen und die gute Förderung waren weitere Gründe weshalb wir Berlin als Standort von mediaire gewählt haben.

Vielen Dank für das Gespräch, Dr. Lemke.

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